Grundsatz
Nicht ins Metaverse — zurück ins Web
Die Zukunft liegt nicht in einer zentralen virtuellen Welt, sondern in interaktiven Erlebnissen an realen Orten.
10 Min. Lesezeit
Bild mit KI erzeugt
Die digitale Zukunft wurde lange als Flucht in eine große, zentrale virtuelle Welt beschrieben. Menschen sollten Avatare anlegen, virtuelle Räume betreten und sich in einer digitalen Parallelwelt bewegen, die das echte Leben zumindest teilweise ersetzen sollte.
Diese Vorstellung weist einen entscheidenden Fehler auf: Die meisten Menschen möchten nicht dauerhaft aus ihrer Realität herausgerissen werden. Sie möchten echte Orte erkunden, hochwertige Produkte finden, besondere Menschen treffen, Kultur erleben und Erinnerungen schaffen.
Die interessante Frage lautet deshalb nicht: Wie bringen wir Menschen in eine künstliche Welt?
Die Fragestellung lautet: Auf welche Art und Weise kann das World Wide Web den Menschen wieder stärker mit der realen Welt verbinden?
Die Antwort liegt nicht in einer weiteren geschlossenen Plattform. Die interaktiven, räumlichen und erzählbaren Erlebnisse, die auf einer Website, in einer Suchmaschine, über einen QR-Code oder durch einen geteilten Link beginnen, ergänzen das offene Web.
Das Web ist keine Ersatzwelt
In der Regel ist eine Website heute zweidimensional. Sie besteht aus Texten, Bildern, Videos, Karten und Formularen. Diese Methode hat sich als praktisch und bewährt erwiesen. Allerdings werden Produkte, Räume, Kunstwerke und Orte häufig auf wenige festgelegte Ansichten reduziert.
Ein interaktives 3D-Erlebnis erweitert diese Grundlage. Es ist nicht als Ersatz für eine bestehende Website gedacht. Es bildet keine abgeschlossene Parallelwelt. Das Produkt fügt einer bekannten digitalen Umgebung eine neue Ebene hinzu.
Ein Besucher verweilt auf der Website eines Geschäfts, einer Manufaktur, eines Restaurants oder eines Vereins. Es werden weder eine VR-Brille, ein Avatar noch ein Konto bei einer fremden Plattform benötigt. Stattdessen kann er ein reales Produkt drehen, einen Raum erkunden, ein Objekt näher betrachten oder einer Geschichte durch die eigene Umgebung folgen.
Dies ist ein entscheidender Unterschied. Die digitale Ebene stellt in diesem Zusammenhang kein Selbstzweck dar. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen Information und Erfahrung.
Reale Dinge als Ausgangspunkt
DFX SplatCore folgt exakt diesem Prinzip.
Die Software startet nicht mit einer erfundenen Welt oder einer beliebigen Textbeschreibung. Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit sind Fotografien oder Videoaufnahmen von Objekten, Räumen und Szenen, die tatsächlich existieren.
Aus diesen realen Aufnahmen entsteht eine interaktive, dreidimensionale Darstellung. Das Ergebnis kann im Browser betrachtet, gedreht und erkundet werden. Der digitale Inhalt verweist damit nicht von der Realität weg, sondern zurück zu ihr.
Ein handgefertigter Stuhl bleibt ein handgefertigter Stuhl. Ein besonderer Gastraum repräsentiert einen realen Ort. Sowohl Skulpturen als auch historische Gebäude oder Vereinsheime sind reale Dinge. Sie besitzen eine Geschichte, einen Standort und eine Bedeutung.
Die digitale Darstellung erzeugt keine unnatürlichen Effekte. Sie verbessert die Zugänglichkeit im Netz.
Vom Anschauen zum Erkunden
Ein Foto zeigt immer nur einen bestimmten Blickwinkel. Ein Video demonstriert eine vorgegebene Abfolge von Blickwinkeln. Ein interaktives 3D-Objekt gibt den Besuchern die Möglichkeit, selbst zu entscheiden.
Sie haben die Möglichkeit, ein Objekt mit Maus oder Finger zu drehen, aus der Nähe zu betrachten und in einer eigenen Reihenfolge zu erkunden. Das bloße Anschauen wird in eine Handlung umgesetzt.
Das Wort "begreifen" beschreibt diesen Unterschied besonders gut. Das Verständnis ist die Grundlage des Begreifens. Gleichzeitig erinnert das Wort an das Anfassen, Drehen und Untersuchen eines Gegenstands.
Selbstverständlich kann eine Bildschirminteraktion die Haptik eines Materials oder den Aufenthalt in einem realen Raum nicht ersetzen. Sie hat jedoch die Fähigkeit, den ersten Eindruck zu intensivieren. Form, Details, Proportionen und sichtbare Eigenschaften werden verständlicher, weil Besucher nicht nur sehen, was ihnen gezeigt wird, sondern auch selbst eine Perspektive wählen können.
Für Unternehmen aus dem Einzelhandel, der Gastronomie oder der Industrie kann dies bedeuten: Der erste digitale Kontakt wird weniger passiv. Besucher verbringen ihre Zeit nicht nur mit dem Scrollen, sondern erkunden auch eigenständig die Seite.
Das Erlebnis, das nach draußen führt
Die interessanteste Anwendung beginnt dort, wo viele digitale Konzepte enden: außerhalb des Bildschirms.
Eine digitale Schnitzeljagd kann Menschen nicht von realen Orten abziehen, sondern sie gezielt dorthin führen. Ausgangspunkt ist eine einfache Karte auf einer Website. Sie zeigt keine erfundene Welt, sondern eine reale Strecke durch einen Ort, eine Stadt, ein Viertel, eine Landschaft oder ein Netzwerk lokaler Betriebe.
An einzelnen Stationen befinden sich QR-Codes. Ein Code kann an einem Schaufenster, einer Werkstatt, einem Aussichtspunkt, einem Kunstwerk, einer historischen Stelle oder bei einem regionalen Partner angebracht sein. Nach dem Scannen öffnet sich im Browser automatisch eine Aufgabe, eine Geschichte, ein Hinweis, ein Bildvergleich oder ein interaktives 3D-Objekt.
So entsteht eine Route Schritt für Schritt.
Ein Besucher sucht einen Ort, geht dorthin, entdeckt etwas, löst eine Aufgabe und erhält den nächsten Hinweis. Das digitale Erlebnis begleitet die Bewegung durch die reale Welt, ohne sie zu ersetzen.
Für den Einzelhandel kann eine Route durch Geschäfte, lokale Besonderheiten und saisonale Angebote führen. Für die Gastronomie bietet sie die Möglichkeit, regionale Zutaten, Produzenten, historische Geschichten oder kulinarische Stationen zu verknüpfen. Für Handwerksbetriebe kann sie die Herkunft von Materialien, die vor Ort ausgeführten Arbeiten und die Referenzprojekte der Umgebung veranschaulichen.
Auch Vereine können diese Form nutzen. Ein Sportverein hat die Möglichkeit, eine Ortsrallye mit seiner Geschichte, Trainingsstätten und Stationen im Umfeld zu verknüpfen. Ein Kulturverein kann historische Orte, Kunstwerke oder lokale Erzählungen für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein Natur- oder Heimatverein kann Wege, Aussichtspunkte, Besonderheiten der Landschaft und Wissen über die Region zu einer fortlaufenden Entdeckungsroute verbinden.
Keine Veranstaltung, sondern ein Dauerzustand
Eine solche Schnitzeljagd ist nicht mit einer einmaligen Veranstaltung zu vergleichen.
Sie kann dauerhaft erreichbar bleiben. Personen, die am Samstag in der Stadt unterwegs sind, können mit dem Projekt beginnen. Bei einem Spaziergang einige Wochen später kann die gleiche Route oder eine neue Variante ausprobiert werden. Für ihre Durchführung ist weder eine Bühne, noch Personal oder ein fester Termin erforderlich.
Nach der Einrichtung bietet sie ein digitales Erlebnis im realen Raum, das kontinuierlich verfügbar ist.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie unverändert bleiben muss. Stationen können saisonal ergänzt, Aufgaben ausgetauscht oder Belohnungen angepasst werden. Die Gestaltung einer Sommerroute kann von der Gestaltung einer Winterroute abweichen. Ein Verein kann eine neue Ausstellung, ein Jubiläum oder eine regionale Veranstaltung aufnehmen. Unternehmen können spezielle Produkte oder Partner in ihr Angebot integrieren.
Die technische Grundlage bleibt bestehen. Der Inhalt kann erweitert werden.
Erinnerung statt flüchtiger Aufmerksamkeit
Ein kurzes Video im sozialen Netzwerk kann Aufmerksamkeit erzeugen. Es wird im Feed angezeigt, wahrgenommen und ist dann zwischen vielen anderen Eindrücken wiederzufinden.
Im Gegensatz dazu folgt eine Schnitzeljagd anderen Prinzipien. Sie verbindet einen Namen mit einer Handlung, einem Ort und einer persönlichen Erfahrung.
Wer einen Hinweis sucht, eine Aufgabe löst, ein Objekt im Browser erkundet oder einen besonderen Platz entdeckt, beteiligt sich selbst. Dies kann eine stärkere Erinnerung schaffen als eine Botschaft, die nur vorbeigleitet.
Der Name eines Geschäfts, eines Restaurants, einer Manufaktur oder eines Vereins wird dann nicht nur gelesen. Er wird Teil eines Weges.
Es kann keine allgemeingültige Garantie für diese Wirkung gegeben werden. Die Attraktivität einer Route hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Gestaltung, die Verständlichkeit der Route, der tatsächliche Wert der Stationen und die Qualität des Erlebnisses. Die Logik dahinter ist jedoch eindeutig: Menschen assoziieren eher mit einem eigenen Erlebnis als mit einer reinen Werbeaussage.
Dies ist insbesondere für lokale Marken von großem Wert. Sie müssen nicht in einem globalen Strom beliebiger Inhalte um Aufmerksamkeit kämpfen. Sie haben die Möglichkeit, ein Alleinstellungsmerkmal anzubieten, das nur an diesem Ort, mit diesen Menschen und in dieser Umgebung existiert.
Für Geschäfte und Manufakturen
Ein Einzelhandelsgeschäft hat die Möglichkeit, seine Waren nicht nur auszustellen, sondern auch die umgebenden Geschichten sichtbar zu machen.
Ein Möbelgeschäft kann die Entstehungsgeschichte eines Materials veranschaulichen, die handwerklichen Details eines Produkts demonstrieren oder die Präsentation einer Kollektion in einem realen Raum zeigen. Eine Manufaktur kann Besucher an den Entstehungsort führen, Arbeitsprozesse erklären und ausgewählte Objekte als interaktive 3D-Modelle erfahrbar machen.
Dadurch wird vermieden, dass jede Produktseite zu einem technischen Experiment wird. Stattdessen etabliert sich eine neue Form der Erklärung. Ein Besucher hat die Möglichkeit, das Objekt zu sehen, es zu drehen und es einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Im Anschluss hat er die Möglichkeit, die Entstehungsorte, die beteiligten Personen und die realen Fundorte zu erkunden.
Insbesondere für hochwertige, regionale oder handwerklich gefertigte Produkte ist diese Ergänzung zu klassischen Fotos sinnvoll. Denn ihr Wert liegt oft nicht nur in einer Artikelnummer, sondern in Form, Material, Geschichte und Herkunft.
Für die Gastronomie und touristische Orte
Ein Restaurant verkauft nicht allein Gerichte. Es vermittelt eine besondere Atmosphäre, Gastfreundschaft, Raumgefühl und eine besondere Verbindung zwischen Küche, Ort und Menschen.
Interaktive 3D-Darstellungen können dazu beitragen, einen Gastraum, ein besonderes Detail oder ein regionales Produkt für die Besucher zugänglich zu machen. Eine Schnitzeljagd kann Gäste über einen Spaziergang zu lokalen Produzenten, kulinarischen Stationen oder besonderen Orten führen und am Ende wieder an einen realen Tisch zurückbringen.
Das digitale Erlebnis ist dabei eine Einladung. Dieses Produkt kann den Duft einer Küche, ein Gespräch oder den Moment, in dem ein Gericht serviert wird, nicht ersetzen. Es kann jedoch auch die Vorfreude auf einen Ort fördern und dazu beitragen, diesen bewusster wahrzunehmen.
Auch Hotels, Ferienorte und regionale Initiativen können davon profitieren. Ein Weg durch die Umgebung wird nicht nur als Linie auf einer Karte dargestellt, sondern als Abfolge von Geschichten, Aufgaben und Entdeckungen.
Für Vereine und Gemeinschaften
Vereine verfügen oft über eine wertvolle Ressource, die große Plattformen oft vermissen lassen: eine authentische Verbindung zu Menschen, Orten und einer gemeinsamen Geschichte.
Ein lokaler Verein verfügt über detaillierte Kenntnisse seines Umfelds. Er verfügt über profunde Kenntnisse der Geschichten hinter Gebäuden, Sportplätzen, Landschaften, Traditionen und Veranstaltungen. Dieses Wissen kann über das Web zugänglich gemacht werden, ohne in einem statischen PDF oder einer schwer auffindbaren Unterseite zu verschwinden.
Eine interaktive Route bietet die Möglichkeit, Mitglieder, Familien, Gäste und neue Interessierte zusammenzubringen. Sie kann als Orientierungshilfe dienen, Wissen vermitteln und den Austausch zwischen den Teilnehmern fördern.
Der Verein löst sich dadurch nicht vom Ort. Im Gegenteil: Seine digitale Präsenz wird nützlicher, weil sie wieder auf reale Begegnung, Bewegung und Gemeinschaft verweist.
Lokale Werkzeuge, offene Wege
Damit das trägt, braucht es Werkzeuge, die nichts einschließen.
Um die Konsistenz der Ergebnisse zu gewährleisten und die Abhängigkeit von einer fremden Plattform zu vermeiden, ist der Einsatz von Werkzeugen erforderlich, die eine offene und unabhängige Ausgabe der Ergebnisse ermöglichen.
DFX SplatCore verarbeitet reale Foto- und Videoaufnahmen lokal zu 3D-Assets. Die Daten verbleiben auf dem jeweiligen System. Die daraus entstehenden Modelle können in offene Formate exportiert und für Web-Präsentationen weiterverwendet werden.
Mit DFX Orbit lassen sich diese Modelle zu eigenständigen, interaktiven Präsentationen weiterentwickeln. Mithilfe von Hotspots, Bildergalerien, Zoom, Audioguide, Vorher-Nachher-Vergleichen, Verbindungslinien und geführten Kamerapfaden ist eine umfassende Individualisierung möglich.
So entsteht kein geschlossener digitaler Vergnügungspark. Nach den eigenen Vorgaben entsteht ein Baustein für die eigene Website, für einen QR-Code im Stadtraum, für eine Präsentation im Laden, im Museum, auf einer Messe oder bei einer Veranstaltung.
Das Ergebnis der Arbeit gehört dem, der sie gemacht hat — unabhängig davon, ob ein Konto weiterläuft oder ein Abo bezahlt wird.
Zurück in die Realität
Die Zukunft des digitalen Erlebens liegt nicht zwangsläufig in einer großen Ersatzwelt, in die alle Menschen eintreten müssen.
Sie liegt näher.
Ein möglicher Einstieg ist die Website eines kleinen Geschäfts. Es besteht die Möglichkeit, die Route an einer Werkstatt, einem Restaurant, einer Skulptur, einem Aussichtspunkt oder einem Vereinsheim fortzusetzen. Über einen QR-Code kann sie eine Geschichte öffnen und Menschen dazu anregen, ihre eigene Umgebung mit anderen Augen zu sehen.
Die Tatsache, dass es digital ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Web flacher werden muss. Es besteht die Möglichkeit, es räumlicher, interaktiver und näher an der Wirklichkeit zu gestalten.
Die Entwicklung im Metaverse hat sich nicht wie erhofft gestaltet. Daher ist nun eine Rückkehr ins Web erforderlich.
Es lohnt sich, wieder den Orten, Produkten, Menschen und Geschichten Raum zu geben, die es wert sind, entdeckt zu werden.