DIMENSION-FX
Das Werkzeug heißt DFX SplatCore. Damit werden aus Fotos 3D-Modelle auf dem eigenen Rechner gemacht.
Teil 6 — Am Gerät

Die Kamera einstellen — beraten, nicht diktiert

Jetzt wird es konkret. Jede Empfehlung in diesem Teil kommt mit ihrer Begründung aus Teil 3. Und hier gehört ein Grundsatz ausdrücklich dazu: Die Bilder macht der Mensch hinter der Kamera. Hier sind die Einstellungen, mit denen die Rekonstruktion am besten klappt. Wenn du dich aus gestalterischen Gründen anders entscheidest, machst du auch keinen Fehler – du triffst eine informierte Wahl. Die Begründungen sind ja genau dafür da.

Nahaufnahme einer Hand am Objektiv einer Kamera auf dem Stativ; rechts daneben steht eine geschnitzte Holzeule auf einem Drehteller in einem hellen Lichtzelt KI-Bild
Die erste Entscheidung der Serie trifft die Hand, nicht das Programm.

6.1  Fokus — einmal scharf stellen, dann sperren

Der Autofokus ist im Alltag echt praktisch, aber in der Serienarbeit manchmal ein bisschen störend. Er stellt nämlich vor jedem Bild neu scharf – mal auf die Vorderkante, mal auf die Mitte, mal auf den Hintergrund. Dadurch ändert sich die Schärfeebene durch die Serie und auch das "Fenster" aus Teil 3.4 wird ein bisschen anders (die wirksame Brennweite verschiebt sich beim Fokussieren ein wenig — Fotografen kennen das als Fokusatmung). Das sind genau die Inkonsistenzen, die die Kamerarechnung stören.

Der Handgriff ist easy: Einmal sauber scharf stellen – per Autofokus, das darf er – und dann auf manuellen Fokus umschalten. Für die gesamte Serie nicht mehr anfassen. Schau dir nicht die vorderste Kante an, sondern eher das vordere Drittel des Objekts. Die Schärfentiefe wird hinter der Fokusebene weiter, als davor. Halte während des Umlaufs den Abstand zum Objekt möglichst konstant, um die gesperrte Schärfe überall wirksam zu halten.

Vor jedem Bild neu fokussiert — die Schärfeebene springt Einmal gesperrt — für die ganze Serie fest Kamera Objekt vorn Mitte hinten

Der Autofokus stellt vor jedem Bild neu scharf — einmal gesperrt, bleibt die Schärfeebene für die ganze Serie exakt gleich.

6.2  Bildstabilisator — Freihand an, Stativ aus

Der Stabilisator gleicht Handzittern aus, indem er Sensor oder Linsengruppe gegenläufig bewegt. Freihand ist echt der Hammer: einfach eingeschaltet lassen. Wenn du das Stativ benutzt, funktioniert die Logik so: Der Stabilisator sucht nach Bewegung, die es eigentlich gar nicht gibt. Dadurch kann er selbst minimal driften oder aufschwingen. Das Ergebnis sind rätselhaft weiche Bilder, und das trotz Stativ. Deshalb gilt hier die einfache Regel: Freihand auf dem Stativ aus. Einige moderne Systeme erkennen das Stativ selbst. Wenn du dich darauf verlassen willst, prüfe es an einer Testaufnahme bei 100-Prozent-Ansicht.

6.3  Blende — der Königsweg der durchgehenden Schärfentiefe

Du weißt ja aus Teil 3.3, was das Ziel ist: das ganze Objekt scharf, von der vordersten bis zur hintersten Kante. Die Blende ist das Werkzeug dafür. Am besten funktioniert sie in der Mitte. Wenn die Blende zu weit offen ist (f/1.8, f/2.8), wird die Schärfe zur schmalen Scheibe. Wenn die Blende zu weit geschlossen ist (f/16, f/22), frisst die Beugung die Detailschärfe wieder auf. Das ist nicht dramatisch, aber man merkt es schon. Für die Arbeit mit dem Objektiv gilt: Bei Kleinbild f/8 bis f/11, bei Micro Four Thirds f/4 bis f/5,6. Das ist dieselbe Blendenstufe, nur je nach Sensor übersetzt (der kleine Sensor braucht für dieselbe Blendenstufe zwei Stufen weniger, sein Vorteil aus Teil 5.1).

Ein Praxistest ist immer besser als eine Tabelle: Mach eine Probeaufnahme und schau dir bei 100-Prozent-Ansicht die vorderste und die hinterste Kante des Objekts an. Beide scharf? Die Blende passt. Hinten weich? Schließ eine Stufe ab oder nimm etwas Abstand. Motion Guard bewertet die Blende übrigens auch – und zwar nach genau dieser Logik: die Mitte gewinnt.

Von offen über die Mitte bis geschlossen — wo Schärfe entsteht und wieder verschwindet Objekt (vorn → hinten) vorn hinten Königsweg f/1.8 f/2.8 f/8 f/11 f/16 f/22

Zu offen: die Schärfe wird zur schmalen Scheibe. Zu geschlossen: Beugung frisst Detailschärfe wieder auf. Dazwischen liegt der Königsweg.

6.4  Belichtungszeit & ISO — das Dreieck neu sortiert

So lernt man das Belichtungsdreieck normalerweise So sortiert DFX SplatCore es für die Rekonstruktion Blende Belichtungszeit ISO 1 sichert die Tiefe, nicht verhandelbar 2 verhindert Verwacklung, unheilbar 3 mittelt sich im Training heraus

Dasselbe Dreieck, zweimal sortiert: gleichrangig, wie man es meistens lernt — und als feste Rangfolge, wie es die Rekonstruktion braucht.

Das Belichtungsdreieck lernt man meistens so: Die Priorität "ISO so niedrig wie möglich" ist dabei das A und O. Wenn du etwas rekonstruieren willst, musst du erst mal umsortieren. Und die Reihenfolge ist auch nicht ohne: Erst die Blende (die sichert die Tiefe, das ist unumstößlich), dann die Belichtungszeit (die verhindert Verwacklung, Unschärfe ist unheilbar) und zuletzt das ISO. Warum ausgerechnet das ISO zuletzt? Weil moderates Rauschen echt das kleinste Übel ist: Es ist in jedem Bild anders zufällig verteilt und mittelt sich über viele Bilder im Training weitgehend heraus. Unschärfe und flache Tiefe sind dagegen in jedem Bild dieselbe, unumkehrbare Lüge. Ich finde, man sollte lieber ISO 1600 wählen und darauf achten, dass die Bilder scharf sind, als ISO 200 und dabei verwackelte Bilder riskieren.

Damit du dir keine Sorgen machen musst, gilt hier die alte Regel aus Teil 1 der Motion-Guard-Welt. Die besagt, dass die Verschlusszeit kürzer als 1 geteilt durch (Brennweite × Crop-Faktor) sein sollte. Bei 25 mm an Micro Four Thirds also kürzer als 1/50 Sekunde. Wer auf Nummer sicher gehen will, halbiert noch einmal. Das Stativ löst das Dreieck komplett auf: Basis-ISO, Wunschblende, beliebige Zeit – dann Stabilisator aus (6.2) und per Selbst- oder Fernauslöser auslösen, damit das Drücken selbst nicht wackelt. Und die Konsistenzregel aus Teil 3 gilt auch hier: Stell die Belichtung fest ein (Modus M), damit die Automatik nicht mitten in der Serie springt.

6.5  Brennweite — bewusst keine Vorschrift

Hier findest du keine Empfehlungstabelle, das ist so gewollt. Die Brennweite ist eine Entscheidung, die man als Fotograf:in trifft. Sie bestimmt, wie das Bild ausfällt, wie weit man von der Kamera weg ist und wie es wirkt. Wenn's um die Rekonstruktion geht, gelten nur zwei physikalische Wahrheiten: Extreme haben Nebenwirkungen (sehr weit verzerrt und macht das Objekt klein, sehr lang verlangt Abstand und verstärkt Verwacklung — Teil 5.4), und innerhalb einer Serie bleibt die Brennweite konstant (Teil 3.4). Der Zoom ist echt ein tolles Werkzeug, wenn man zwischen Serien hin- und herschaltet – in der Serie selbst sollte man ihn aber besser nicht benutzen. Wenn du einen guten Ausgangspunkt suchst, dann schau mal, ob du was findest, das verzeichnungsarm, handlich und alltagstauglich ist. Der Normalbereich um 35–60 mm Kleinbild-äquivalent sollte es schon sein. Aber es ist halt nur ein Ausgangspunkt, kein Muss.

6.6  Dateiformat & Entwicklung — Reserven ja, Eingriffe nein

RAW ist top, wenn's verfügbar ist: Mehr Reserven in Schatten und Lichtern, verlustfreier Weißabgleich und moderne Konverter holen mit Entrauschung und Schärfung sichtbar mehr verwertbare Details aus einer Serie. Das ist erlaubt und erwünscht, solange dieselben Einstellungen auf die ganze Serie wirken. Ein gutes Kamera-JPG ist echt kein Problem. Aber wenn man sowieso entwickelt, dann macht man das am besten seriell. Wenn du mit der Kamera Doppelformate (RAW+JPG oder Sonderformate wie hochauflösende Zusatzdateien) fotografierst, gilt: Importiere nur eines der beiden Formate – sonst zählt derselbe Blickpunkt doppelt.

Die drei Entwicklungs-Verbote findest du in Teil 3.4 und 3.5: - keine Geometrie (Beschnitt, Drehung, Perspektivkorrektur — die zerstören das Fenster), - keine Einzelbild-Ausreißer (ein Bild heller ziehen als die anderen = Zeugenwiderspruch) und - keine Retusche in Einzelbildern (der Stempel entfernt den Fleck nur in einem Bild — für die Rekonstruktion ist das ein Zeuge, der lügt; Störendes wird am fertigen 3D-Modell entfernt, nicht in den Quellbildern). Wenn du etwas exportierst, wähle bitte volle Auflösung, hohe Qualität und sRGB.

6.7  Motion Guard — der Begleiter, der nichts wegnimmt

Nachdem du die Serie importiert hast, prüft DFX SplatCore automatisch, ob es Verwacklungen gibt, die aus den Aufnahmedaten hervorgehen, und ob die Schärfe stimmt, die die Pixel zeigen. Dabei wird beides gegeneinander abgewogen – inklusive der Stativ-Erkennung aus Teil 5.5 und des korrekten Crop-Faktors für dein Kameramodell. Das Ergebnis siehst du dann als Befund in der Telemetrie; die Einzelurteile je Bild stehen im Protokoll. Und der wichtigste Satz dazu, zum dritten Mal, weil er das Vertrauensfundament ist: Wir sortieren nichts aus. Motion Guard sagt – du entscheidest.

So wird der Prüfer zum Werkzeug: Schick vor wichtigen Terminen einfach eine Probeserie durch den Import und lies den Befund – das ist eine kostenlose Generalprobe für Licht, Blende und Zeit, noch bevor es zählt. Die Details zu den beiden Prüfwegen und zur Gerätedatenbank findest du in den zwei Motion-Guard-Handbüchern in dieser Bibliothek.

Die Einstellungs-Checkliste — vor jeder Serie
  • Fokus: einmal scharf gestellt, auf manuell gesperrt
  • Stabilisator: Freihand an — Stativ aus
  • Blende: Mitte (f/8–11 Kleinbild · f/4–5.6 MFT), Probebild: vorderste + hinterste Kante scharf?
  • Zeit: Freihand kürzer als 1/(Brennweite × Crop) — im Zweifel halbieren
  • ISO: so hoch wie nötig — Rauschen schlägt Unschärfe
  • Modus M: Belichtung fest, Automatik darf nicht springen
  • Brennweite: gewählt und für die Serie nicht mehr angefasst
  • Format: RAW (oder gutes JPG) — nur ein Format je Serie importieren
  • Licht: diffus, konstant, kein Aufsteckblitz (Teil 3.6)
  • Generalprobe: Probeserie durch den Import — Motion-Guard-Befund lesen
Blende zuerst, Zeit danach, ISO zuletzt —
und nichts ändert sich mehr, bis die Serie endet.
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